Das ist eine der vielen Fragen die einem als Atheist von vielen gerne gestellt werden würden. Aber nur wenige trauen sich. Andere Fragen könnten lauten: Was hat dir die Religion getan das du sie so bekämpfst? Liegt dir nichts an unseren Werten?
Es gibt noch hunderte Fragen die nicht gestellt werden, die ich aber gerne trotzdem beantworten möchte.
Ich bin als Atheist geboren. In eine liberale christliche Familie. Ich wurde katholisch erzogen. In meiner Kindheit hatte Glaube und Kirche eine sehr große Bedeutung. Ich habe sie immer mit Freundschaft und Gemeinschaft verbunden.
In einer Gruppe von mehreren Familien haben wir Wochenendausflüge gemacht die für uns Kinder sehr schön waren. Teil dieser Ausflüge waren auch immer Diskussionen und Gespräche über theologische Themen. Es ging aber meist um praktische Bezüge zum realen Leben. Meist ging es um Ethik und Moral.
Jetzt mag man sich fragen warum kommt man bei so vielen positiven Erinnerungen vom Katholiken zum Atheisten?
Ich mag ein guter Katholik gewesen sein, bis ich mich wirklich damit beschäftigt habe was denn ein guter Katholik ist. An was er glauben sollte und an was nicht. (Ich mag die detaillierten Regeln hier nicht aufzählen. Das können Geisteswissenschaftler besser als ich. Und letztendlich muss jeder selber entscheiden in wie fern er mit dem Glauben übereinstimmt.) Ich für meinen Teil habe mir das Glaubensbekenntnis genau angesehen und Satz für Satz überprüft ob ich es aufsagen kann ohne an der Bedeutung zu zweifeln. Ich kann es nicht.
Dann habe ich begonnen mich weiter und intensiver mit dem Glauben beschäftigt. Ich habe den Katechismus der katholischen Kirche gelesen. Und von Absatz zu Absatz wurde mir immer deutlicher wie sehr ich jahrelang eine falsche Vorstellung von der Kirche hatte.
Beschäftigt man sich intensiver mir dem Thema Religionen und insbesondere mit den Kirchen sieht man plötzlich nicht mehr die glänzende Fassade aus Marmor und Prokat, sondern auch das hässliche Gesicht das sich hinter dem ganzen Samt und der Seide versteckt.
Viele Werte die ich in meinem Leben für christlich gehalten habe wurden hart gegen den Wiederstand der Kirche erkämpft. Menschenrechte, Fortschrittswillen, Umweltschutz…
Aber was sind eigentlich die christlichen Werte von denen alle Welt immer spricht? Die 10. Gebote? Ich bitte jeden die zehn Gebote einmal kritisch zu betrachten. Welche Moral steckt hinter Gesetzen die von einem Gott gegeben werden und die eingehalten werden müssen weil man sonst in die Hölle kommt.
Ich möchte gerne das mich meine Mitmenschen nicht beklauen oder töten weil sie wissen das es falsch ist, nicht weil sie sonst in die Hölle kommen.
Jeder Wert der mir eingefallen ist hat für mich auch ohne Gott und ohne Hölle Bedeutung. Ich bin aber offen über weitere nachzudenken und zu diskutieren.
Kommen wir zum Schluss nochmals auf die Frage: Warum hasse ich Gott? – Das tue ich nicht. Im Gegenteil glaube ich sogar das einigen Menschen in schwierigen Lebenslagen der Glaube an einen imaginieren Freund sehr helfen kann. Aber der gütige Gott der dann als Trugbild erscheint ist nicht der abrahamitische Gott der Juden, Christen und Muslime.
Die Welt könnte nicht besser sein wenn es tatsächlich einen gütigen allwissenden beschützenden Gott gäbe. Aber es sprechen einfach zu viele Dinge gegen die Existenz eines solchen Wesens. Ich gehe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus das es keinen Gott gibt.
Wer gerne mehr wissenschaftliches über Religionen lesen möchte ist mit diesem Buch gut beraten, es ist ein wenig wie „Endlich Nichtraucher“. Viele trauen sich nicht es zu lesen weil sie Angst haben nachher Atheist zu sein.
Aber auch für alle Christen sehr gut um die Standpunkte der Atheisten besser verstehen zu können.
Das Buch: http://www.amazon.de/Gotteswahn-Richard-Dawkins/dp/3550086881
Der Autor: http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Dawkins